Warum gerade jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, Ihr Unternehmen umweltverträglicher zu machen

Nicht zuletzt dank der Initiative „Fridays for Future“ ist das Thema Klimaschutz in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die grünen Parteien erleben einen Aufschwung und das Thema lässt kaum jemanden kalt. Eine kleine Umfrage in meinem Bekanntenkreis hat gezeigt, dass sich daran viele Diskussionen am Weihnachtstisch entzündet haben. Viele schwanken zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Schuldgefühl und Hilflosigkeit und diskutieren darüber, wer eigentlich etwas ändern müsste, damit es einen Unterschied für die Umwelt macht. An dieser Stelle kommen dann meistens Unternehmen ins Spiel, von denen man fordert, dass sie nachhaltiger agieren sollen. Spricht man allerdings mit Unternehmern und Managern, bekommt man meist zu hören, die Politik müsse neue Regelungen machen, damit der Wettbewerb fair sei, sonst könne man sich das nicht leisten. Die – auf den ersten Blick – logische Folge ist, dass viele Unternehmen sich nicht ohne entsprechende Gesetze und Steuern mit selbst gesetzten Umweltauflagen das Leben schwer machen, sondern abwarten, bis sie dazu gezwungen werden. Allerdings halte ich diese Strategie für wirtschaftlich riskant, denn Veränderungen, auf die man nicht vorbereitet ist, können ein Unternehmen vor sehr große Herausforderungen stellen und schlimmstenfalls das Überleben gefährden.

Veränderungen gehen leichter, wenn man Geschwindigkeit und Art der Umsetzung selbst bestimmen kann

Sowohl aus der Forschung als auch aus eigener Erfahrung wissen wir, dass Veränderungen leichter umzusetzen sind, wenn man ein sinnvolles Ziel vor Augen hat und die Geschwindigkeit und Schritte der Veränderung selbst gestalten kann. Hier sind ein paar Gründe, warum ich deshalb glaube, dass es für Unternehmenwirtschaftlich sinnvoll ist, sich trotzdem jetzt in Richtung Nachhaltigkeit und CO2-Neutralität zu verändern und nicht erst dann, wenn es ihnen von außen auferlegt wird.

1.) Es wird neue Regulationen geben

Auch wenn die Beschlüsse des Klimagipfels deutlich weniger radikal ausgefallen sind als es sich Klimaexperten gewünscht hätten, enthalten sämtliche neuen Regierungsprogramme in Europa mehr oder weniger ambitionierte Klimaziele. Das heißt, es wird in vielen Branchen neue Regulationen und Gesetze geben. Entsprechende Schlagworte lauten CO2-Steuer (oder auf österreichisch inzwischen wirtschaftsfreundlich CO2-Bepreisung), Umweltzertifikat, Umweltmaut, Mehrwegsysteme statt Plastikflaschen, oder in Österreich „Plastiksackerlverbot“ (Verbot von Plastiktüten). Viele weitere Ideen für stregere Regeln sind in Arbeit. Insbesondere bei der öffentlichen Vergabe (z.B. im Bereich Wohnbau, Infrastruktur) sind härtere Umweltauflagen zu erwarten.

2.) Es wird neue Förderungen geben

Gleichzeitig wird es neue Förderungen und finanzielle Unterstützungen für nachhaltigeres unternehmerisches Handeln geben. Ich denke hier beispielsweise an die Bahnmilliarde, diverse Agrarförderungen, internationale (EU-weite) und nationale Ausschreibungen, die Unternehmen belohnen, die umweltfreundlich agieren. Beispielsweise hat die Europäische Kommission als erste von 5 „Mission Areas“ im Forschungsprogramm „European Mission“ für Forschungsförderungen das Thema „Anpassungen an den Klimawandel inklusive gesellschaftlicher Veränderungen“ formuliert. Allein für das Programm European Mission ist ein Budget von 100 Milliarden Euro (!) vorgesehen.

3.) Die Nachfrage verändert sich

Die ständige Präsenz des Themas Klimaschutz hat – insbesondere bei vielen jungen Leuten – das Konsumbewusstsein verändert. Immer mehr Menschen achten in ihrem täglichen Leben darauf, was sie essen, wohin sie auf Urlaub fahren, wie sie sich fortbewegen und wie sie ihr Geld anlegen. Diese veränderten Lebensgewohnheiten haben völlig neue Geschäftsfelder und Produkte hervorgebracht, beispielsweise Fleischersatzprodukte (häufig mit klingenden Namen wie Beyond- oder Rebel-Meat) oder ein großes Angebot an vegetarischen oder veganen Lebensmitteln. In der Modebranche gibt es ein immer stärker werdendes Bekenntnis zu „Green Fashion“, „Slow Fashion“ , oder „Circular Fashion“. Die gesteigerte Nachfrage hat zu einem Ausbau der Nachtzüge geführt. Banken reagieren mit „nachhaltigen“ Investitionsmodellen und Anlageformen und Investoren beginnen, sich für „Impact Investment“ zu interessieren. Und so weiter.

4.) Das Klima verändert sich bereits

Zu guter Letzt: Das Klima verändert sich! Die gehäuften Bilder von Umweltkatastrophen (die es natürlich schon immer gab, wenn auch die Intensität und Häufigkeit objektiv zugenommen hat), beispielsweise von verheerenden Waldbränden in Südamerika oder Australien, oder von Muren und Überschwemmungen in Europa beobachten wir aus der Ferne als Zuseher. Sie scheinen uns aber nicht nachhaltig zu berühren, solange wir nicht direkt involviert sind. Aber viele Unternehmen sind bereits betroffen: Insbesondere Agrarbetriebe merken es an ihren Ernten, an veränderten Arten von Schädlingen und Unkraut, etc. Der Wintertourismus leidet unter Schneemangel – dafür kann sich dank der steigenden Temperaturen die „Sommerfrische auf dem Bauernhof“ wie ein Urlaub in der Toskana anfühlen. Hersteller von Klimaanlagen und Ventilatoren dürfen sich freuen, ebenso wie Firmen, die Gebäudedämmungen vertreiben und umsetzen. Gleichzeitig könnten manche Rohstoffe (z.B. Palmöl) ein rares Gut und somit unfinanzierbar werden.

Fazit: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt für Veränderungen, um Chancen zu ergreifen und Risiken zu minimieren

Zusammengefasst halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass Unternehmen bald mit der Notwendigkeit für einschneidende Veränderungen konfrontiert sein werden. Je früher Sie das erkennen und sich entsprechend darauf vorbereiten, desto eher wird es Ihnen gelingen, die daraus entstehenden Chancen (Förderungen, neue Kunden, neue Produkte…) zu nutzen und die Nachteile und Risiken (Markteinbrüche, extrem hohe Kosten…) zu vermeiden.


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